Folsäure oder Folat: Die Irreführung der Namensverwendung

Folsäure oder Folat: Die Irreführung der Namensverwendung

Folsäure ist eine synthetisch hergestellte Substanz, die in der Natur nicht vorkommt. Der Folsäure Folat Unterschied ist dabei grundlegend: Folsäure ist kein Vitamin – ihr Fehlen kann also auch keinen "Folsäuremangel" verursachen. Wenn von Folsäuremangel die Rede ist, handelt es sich in Wirklichkeit um Folatmangel. Diese natürliche Form von Vitamin B9 ist in vielen Nahrungsmitteln enthalten, vor allem in Blattgemüse, verschiedenen Kohlsorten und Innereien.

Ein Folatmangel kann für die Gesundheit schwerwiegende Folgen haben, denn Folat ist ein wichtiges Vitamin für das Wachstum sowie die Entwicklung von Zellen und ist an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt. Zum Ausgleich werden häufig Folsäure-Präparate empfohlen. Sie sind günstig im Preis und gelten als einfach einzunehmen.

Doch nicht jeder Mensch kann Folsäure verwerten – und hohe Dosierungen über einen längeren Zeitraum werden in Studien mit möglichen Risiken in Verbindung gebracht. Ein Mangel lässt sich am besten mit natürlichem, bereits bioaktivem Folat (5-MTHF) ausgleichen, da diese Form keine aufwendige Umwandlung in der Leber erfordert.

Welche Aufgaben hat Folat?

Folat ist für die Zellteilung und die Blutbildung unverzichtbar. Es ist am Aufbau eines normalen Immunsystems beteiligt und fördert die Bildung von Aminosäuren, die für die Protein-Synthese gebraucht werden. Einige Proteine wie Botenstoffe, Hormone oder Enzyme haben stoffwechselregulierende Eigenschaften, andere sind am Aufbau von Geweben beteiligt (z. B. der Haut).

In Studien wurde Folat im Zusammenhang mit Müdigkeit und Stimmung untersucht. Folat trägt zum normalen Homocystein-Stoffwechsel bei – ein erhöhter Homocysteinwert gilt in der aktuellen Forschung als Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen. Ob und in welchem Ausmaß eine Folatergänzung kardiovaskuläre Ereignisse beeinflusst, ist in Studien unterschiedlich bewertet worden.

Zur Studienlage: Die Forschung zum Zusammenhang zwischen Folat und Homocystein ist umfangreich, die Ergebnisse hinsichtlich kardiovaskulärer Endpunkte (z. B. Schlaganfall) sind jedoch uneinheitlich. Ein normalisierter Homocysteinwert allein gilt nicht als ausreichender Beweis für eine reduzierte Ereignisrate.

Insbesondere Schwangere haben einen hohen Folat-Bedarf. Das B-Vitamin ist für die Entwicklung und Reifung der ungeborenen Kinder von Bedeutung. In Studien wurde beobachtet, dass eine ausreichende Folatversorgung vor und zu Beginn der Schwangerschaft mit einem geringeren Vorkommen von Neuralrohrdefekten (Fehlbildungen von Gehirn und Rückenmark) assoziiert war. Außerdem trägt Folat zur normalen Entwicklung des mütterlichen Gewebes während der Schwangerschaft bei. Ein Zusammenhang mit dem Risiko für Plazentaablösungen wurde in einzelnen Studien untersucht, die Datenlage ist hier dünn.

Ursachen von Folatmangel

Ein Mangel an Folat ist die häufigste Vitaminunterversorgung in der westlichen Bevölkerung. Männer nehmen nur etwa die Hälfte der empfohlenen Tagesdosis von 300–400 µg Folat ein, Frauen sogar noch weniger, obwohl das B-Vitamin für sie besonders wichtig ist. Dafür gibt es mehrere Ursachen.

Die natürlichen Folate in Lebensmitteln reagieren äußerst empfindlich auf Licht, Sauerstoff und hohe Temperaturen. Sie werden durch Transport, lange Lagerung und die Zubereitung der Speisen bis zu 90 % zerstört. Deshalb ist eine ausreichende Versorgung über die Nahrung allein schwierig, selbst für Vegetarier und Veganer.

Der Folat-Stoffwechsel hängt eng mit dem Vitamin-B12-Status zusammen. Ist zu wenig Vitamin B12 vorhanden, wird der Folat-Stoffwechsel in der Zelle gestört oder kommt zum Erliegen.

Raucher, Schwangere, Stillende, Sportler und Menschen mit hohem Alkoholkonsum haben einen erhöhten Folat-Bedarf. Bei Magen-Darm-Erkrankungen sowie bei Einnahme bestimmter Medikamente oder der Anti-Baby-Pille kann die Aufnahme der Folate gestört sein.

Ein weiterer Grund für Folatmangel ist genetisch bedingt: Bei einem Teil der Bevölkerung arbeitet das Enzym MTHFR für die Umwandlung von Folsäure zu aktivem Folat nur eingeschränkt. Diese Personen können Folsäure schlechter verwerten – unabhängig von der eingenommenen Menge.

Symptome bei Folatmangel

Folatmangel Symptome: Blutarmut, Müdigkeit, Hautveränderungen

Folat ist für die Bildung des Erbguts (DNA) notwendig. Bei einer schlechten Folatversorgung kann es zu Zellteilungs- und Wachstumsstörungen sowie Blutarmut (megaloblastäre Anämie) kommen.

Weitere beobachtete Symptome sind ein schlechtes Hautbild, ein blasser Teint, eine verminderte Leistungsfähigkeit sowie Müdigkeit und Erschöpfungszustände.

In Studien wurden bei Folatmangel auch schlechte Laune und depressive Verstimmungen beobachtet. Ein Zusammenhang zwischen Folatversorgung und Stimmung ist Gegenstand laufender Forschung. Ein weiteres Zeichen eines Folatmangels kann ein geschwächtes Immunsystem und eine erhöhte Infektanfälligkeit sein.

Folatmangel in der Schwangerschaft wird in Studien mit Fehl- und Frühgeburten, vermindertem Geburtsgewicht, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sowie Neuralrohrdefekten wie dem "offenen Rücken" (Spina bifida) in Verbindung gebracht. In einzelnen Studien wurde auch eine ungewollte Kinderlosigkeit mit einer schlechten Folat-Versorgung assoziiert – die Datenlage dazu ist noch begrenzt.

Folatmangel beheben: der Folsäure Folat Unterschied

Vergleich Folsäure und Folat: Umwandlungsschritte zu 5-MTHF

In der Regel werden zum Ausgleich eines Folatmangels nicht Folat-, sondern Folsäure-Präparate empfohlen. Doch Folsäure und Folat sind zwei völlig unterschiedliche Substanzen. Folsäure ist kein Vitamin, sondern eine im Labor entwickelte synthetisch hergestellte Substanz. Da sie in der Natur nicht vorkommt, kann ihr Fehlen auch keinen "Folsäuremangel" verursachen.

Folsäure wird völlig anders aufgenommen und verstoffwechselt als Folat, das natürliche Vitamin B9 aus unserer Nahrung. Natürliche Folate sind meistens an Glutamate gebunden und werden zu etwa 50 Prozent vom Körper aufgenommen. Folsäure wird dagegen zu über 90 Prozent aufgenommen.

Allerdings muss die künstliche Vitamin B9-Form in der Leber in einem komplizierten Verfahren zu natürlichem Folat (5-MTHF) verstoffwechselt werden. Das geschieht sehr langsam und ist individuell sehr unterschiedlich effizient. Hinzu kommt, dass einem Teil der Bevölkerung das für die Umwandlung zuständige Enzym MTHFR fehlt oder eingeschränkt arbeitet. Diese Personen können Folsäure kaum verwerten.

Ob mit Folsäure höhere Folatmengen in die Zellen gelangen als mit natürlichem Folat, ist in Studien noch nicht abschließend geklärt. Ein Präparat mit bioaktivem 5-MTHF umgeht den Umwandlungsschritt vollständig.

* Bei einem Defekt am Schlüssel-Enzym MTHFR findet die Umwandlung nur eingeschränkt statt, was zu einem Anstieg des Homocysteinwerts im Blutplasma führen kann – einem in Studien beschriebenen Risikofaktor für Gefäßkrankheiten.

Folsäure: was Studien zu möglichen Risiken zeigen

Da der Körper keine natürlichen Regelmechanismen für synthetische Folsäure besitzt, gibt es keine physiologische Obergrenze für deren Aufnahme 1. In Studien wurde beobachtet, dass nicht umgewandelte Folsäure sich im Blut anreichern und dort zirkulieren kann 2.

In mehreren Studien wurde eine dauerhaft hohe Folsäure-Dosierung (ab etwa 1000 Mikrogramm täglich) mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Krebsarten in Verbindung gebracht, darunter Prostatakrebs 4 und Dickdarmkrebs 5. In einer weiteren Untersuchung wurde bei hohen Folsäure-Blutspiegeln eine verringerte Aktivität der natürlichen Killerzellen des Immunsystems beobachtet 6. Auch ein möglicher Zusammenhang mit Autismus, Asthma und Insulinresistenz bei Kindern hochdosiert supplementierender Mütter wurde in Studien untersucht.

Zur Einordnung: Die genannten Studien weisen auf mögliche Zusammenhänge hin. Ein eindeutiger kausaler Beweis liegt für die meisten dieser Beobachtungen noch nicht vor. Die Studien variierten stark in Design, Dosierung und Dauer. Bei Unsicherheit empfiehlt sich ein Arztgespräch.

Besonders relevant für die Diagnose: Im Labor werden die Blutkonzentrationen von Folat und Folsäure häufig zusammengefasst. Da der Körper den Folat-Spiegel regulieren kann, nicht aber zu hohe Folsäure-Konzentrationen, können hohe Messwerte eine gute Versorgung vortäuschen, obwohl der eigentliche Folat-Bedarf nicht gedeckt ist.

Wer die synthetische Folsäure meiden möchte, kann die Vitamin-B9-Versorgung über natürliche Folate sicherstellen – über folatreiche Lebensmittel und gegebenenfalls Präparate mit dem von Natur aus biologisch aktiven 5-Methyltetrahydrofolat (5-MTHF). Besonders empfohlen wird das vor und während der Schwangerschaft. Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme vorher Rücksprache mit einem Arzt halten.

Was die Forschung noch nicht abschließend beantwortet

Einige Fragen zum Folsäure Folat Unterschied sind in der Wissenschaft noch offen:

  • Wie hoch der Anteil der Bevölkerung mit relevanter MTHFR-Einschränkung tatsächlich ist und welche praktischen Auswirkungen das auf die Versorgung hat
  • Ab welcher Folsäure-Dosierung und -Dauer Risiken klinisch relevant werden – die Studien liefern hier unterschiedliche Schwellenwerte
  • Ob die Supplementierung mit 5-MTHF in allen Bevölkerungsgruppen der Folsäure klar überlegen ist oder nur bei MTHFR-Defekt einen messbaren Unterschied macht
  • Langzeiteffekte einer dauerhaften 5-MTHF-Supplementierung über Jahre
  • Warum manche Personen trotz gleicher Folatversorgung sehr unterschiedliche Blutspiegel aufweisen